Die Aeron Design-Story

Die beiden Designer Chadwick und Stumpf verbindet nicht nur eine längjährige Zusammenarbeit, sondern eine echte Freundschaft. Schon vor der Entwicklung des Aeron, in den sie all ihre Erfahrung und Könnerschaft steckten, kreierten sie den Equa 1. Das war zu einer Zeit als für die meisten Working-Chairs der Begriff Ergonomie noch ein Fremdwort war.

Don Chadwick

Don Chadwick wurde in den 1930-er Jahren in Los Angeles geboren und entdeckte durch seinen Großvater, der als Kunsttischler tätig war, seine Liebe zu hochwertigen Möbelstücken. An der UCLA studierte er Industrie-Design, wo er sich als einer von wenigen auf Möbel spezialisierte. Der erleuchtende Moment überkam ihn bei einer Vorlesung der Design-Pioniere Charles und Ray Eames, die wie niemand sonst die Entwicklung funktionaler Möbel voranbrachten. Chadwick war sich sicher: Möbelstücke bieten dem Designer die Gelegenheit Materialien auf innovative Weise zu verwenden, um damit das Leben nachhaltig zu verändern.

In Los Angeles, das er zeitlebens nie verlassen hat, findet er den fruchtbaren Boden vor, den er für seine kreatives Schaffen benötigt. Chadwick nennt es den "L.A.-Leichtsinn". Dort eröffnete 1964 sein eigenes Studio, in dem er auch seine Arbeit Chadwick Modular Seating hervorbrachte. Hierbei handelt es sich um ein modulares Sofa, das in Form und Größe beliebig veränderbar ist. Don Chadwick ist ein Designer vom alten Schlag: In seiner Werksatt hantiert er mit Sägen, Drechselbänken und Bohrmaschinen; computergesteuerte Maschinen sind ihm fremd. Mit einem Augenzwinkern sagt er: "Richtige Arbeitsstühle sind zu komplex für Computer". Denn nur ein Mensch kann nachempfinden, ob ein Stuhl bequem ist.

Chadwick und Stumpf, beide Visionäre und Draufgänger, waren wie geschaffen für das innovative Unternehmen Herman Miller. "Wir haben keinerlei Angst neue Ideen umzusetzen. Das ist auch der Grund, warum wir schon so lange erfolgreich sind und die Arbeit dort eine Herausforderung ist", so Chadwick. Der Aeron Chair ist nur ein preisgekröntes Ergebnis seines Lebenswerks.

Bill Stumpf

Bill Stumpf war nicht nur studierter Industrie-Designer, sondern hielt auch einen Master in Umweltgestaltung. Ende der 1960-er Jahre war das eine Besonderheit, die sich später im Design des Aeron Chairs auszahlen sollte. So verfügte Stumpf durch seine Ausbildung das nötige Know-How, um orthopädische und ergonomische Aspekte in Einklang zu bringen.

An der University of Wisconsin-Madison betrieb er am Environmental Design Center zusammen mit Orthopädie-Spezialisten und Angiologen Grundlagenforschung in der Ergonomie, insbesondere untersuchte er das menschliche Sitzverhalten. Nachdem Herman Miller auf ihn aufmerksam geworden war, arbeitete Bill Stumpf in der Forschungsabteilung des Unternehmens. 1974, kurz nach der Gründung seiner eigenen Firma, entwickelte er für Herman Miller den Ergon Chair – seines Zeichens der erste ergonomische Büro-Stuhl überhaupt – und veränderte unsere Sitzgewohnheiten am Schreibtisch damit nachhaltig.

Doch auch der Schreibtisch selbst und seine Büro-Umgebung waren vor Stumpf nicht sicher: Mit dem Ethospace-System designte er die modulare, flexible Arbeitsumgebung der Gegenwart wie sie heute gang und gäbe ist. Damit sind nicht die verschachtelten Großraumbüros gemeint, sondern offen gestaltete Büroräume, die den Arbeitern weder Würde noch Lust bei der Arbeit rauben.

Stumpf sagte einst: "Die meisten Designs verweigern die Existenz einer menschlichen Seele". Deshalb ging es ihm immer auch um die moralische Verpflichtung gutes Design zu entwickeln. Aufträge, die nur Geld in die Kassen spülen sollten, verabscheute er. Mit Herman Miller und seinem Kollegen Don Chadwick knüpfte er einen Bund fürs Leben, um würdeloses Design den Kampf anzusagen. Es ist vor allem Stumpf zu verdanken, dass sich Herman Miller zu einem forschungsbasierten Innovator in der Möbelindustrie entwickelte. Den Gipfel erreichte die Manufaktur zweifelsfrei mit dem Aeron, der zur Ikone des ergonomischen Sitzens aufstieg.

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