Das Cradle to Cradle-Prinzip – Leben in einer Welt ohne Müll

Vintage-Klamotten, Second-Hand-Möbel, Foodsharing und Upcycling – Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit ihrem biologischen Fußabdruck, Umweltfreundlichkeit und Nachhaltigkeit. Nichtsdestotrotz leben wir in einer Wegwerfgesellschaft. Einen Ausweg sieht der Chemiker Michael Braungart, der mit seiner Idee des Cradle to Cradle von einer abfallfreien Wirtschaft träumt.

Laut der Bundeszentrale für politische Bildung entstehen in Deutschland jährlich mehr als 372 Millionen Tonnen Müll, wovon allein 46 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle sind – also Haushaltsabfälle, Papier- und Biomüll sowie Glas, Elektroschrott und Sperrmüll. Damit liegen die Deutschen, die pro Kopf rund 4,8 Tonnen Müll produzieren, innerhalb der EU an der Spitze. Doch mit dem steigenden Abfallaufkommen, vermehren sich auch Alternativen rund um den Gedanken an eine Welt ohne Müll.

Das Prinzip Cradle to Cradle – Von Ökoeffizienz zu Ökoeffektivität 

Doch es gibt auch Wissenschaftler, Unternehmer und Querdenker, die an eine Welt glauben, in der Müll erst gar nicht anfällt. Zu ihnen gehören der Verfahrenstechniker Michael Braungart und der Architekt William McDonough. In ihrem Cradle to Cradle-Konzept (dt. „von der Wiege zur Wiege“) geht es um die Wiederverwertung von Produkten. „Falsches effizient gemacht, wird nicht richtig, sondern erhöht den Schaden“, meinen die beiden Autoren des Buches Cradle to Cradle: Remaking the Way We Make Things und halten Unternehmen zu einem radikalen Umdenken von Ökoeffizienz zur Ökoeffektivität an.

Cradle to Cradle lässt sich im Idealfall als ein Kreislauf beschreiben. Damit avancieren Unternehmen zu Materialbanken, die organische und synthetische Materialien immer und immer wieder aufbereiten und in den Wirtschaftskreislauf bringen.

Mit der Natur, in der alles Nährstoff und nichts Abfall ist, als Vorbild, wollen Braumgart und McDonough die Wirtschaft revolutionieren. Die Idee:

  • In technischen Kreisläufen sollen keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr verwendet werden, sodass alle Gebrauchsgüter sortenrein zurückgewonnen und zur Herstellung neuer Produkte genutzt werden können.

  • Auch Verbrauchsgüter sollen wieder in biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können, um als Nährstoffe für natürliche Kreisläufe zur Verfügung zu stehen.

Bei Cradle-to-Cradle (C2C) entstehen keine Downcyclingeffekte, das heißt, dass es beim Recycling nicht zu einer Wertabnahme der Stoffe kommt. Dafür allerdings muss Produktdesign umgedacht werden, denn nur komplett recyclebare Produkte aus schadstofffreien Materialien lassen sich im Sinne des C2C-Konzeptes sortenrein zerlegen und wiederverwerten. Denkbar sind kompostierbare Materialien, essbare Verpackungen oder reine Kunststoffe und Metalle, die vielfach für denselben Zweck verwendet werden können. Ein Gedankenexperiment: Würde es gelingen, alle Produkte auf diese Weise als biologische oder technische Nährstoffe anzulegen und sie mithilfe erneuerbarer Energie herzustellen, müsste man sich über CO₂-Bilanzen keine Sorgen mehr machen.

Cradle-to-Cradle-Zertifiziert – Gold für Herman Miller-Produkte

Bewiesen hat Braungart das Cradle-to-Cradle-Prinzip bereits am Herman Miller Mirra 2. Der von der Designschmiede Studio 7.5 entworfene Bürostuhl besteht in all seinen Einzelteilen aus demselben Material, das sich bis zu dreihundert Mal wieder einschmelzen lässt. Wie Braungart in einem Interview mit planet.e sagt, geht es ihm dabei nicht darum, für die nächsten 3000 Jahre ein und denselben Design-Schreibtischstuhl herzustellen, sondern darum, Unternehmen zu einer „Materialbank“ zu machen: „Man verkauft nur noch die definierte Dienstleistung […], dann geht das Material wieder zurück und die Komponenten können wieder eingesetzt werden.“

Der Mirra II von Herman Miller war das erste Möbelstück, das nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip konzipiert wurde. Er erreicht bereits beachtliche 96% in Hinsicht seiner Recyclebarkeit. Das ist ein Wert, von dem ein herkömmlicher Bürostuhl nur träumen kann.

Unternehmen, die sich mit der Entwicklung und Umsetzung von umweltverträglichen Produktionsverfahren und Ökobilanzen ihrer Gebrauchsgüter auseinandersetzen, können das Cradle to Cradle®-Zertifikat erhalten. Dafür gründeten Braungart und McDonough das Hamburger Institut EPEA, welches die Zertifikate nach folgenden Gesichtspunkten vergibt:

  • Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung)

  • Einsatz von regenerativen Energieformen (z.B. Sonnenenergie)

  • verantwortungsvoller Umgang mit Wasser

  • Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens

Bis dato gibt es rund 140 Unternehmen, die 500 Produkte nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip auf den Markt gebracht haben. Vorbildhaft steht dabei der US-Hersteller Herman Miller an der Spitze: Nachdem der Mirra 2 das erste Büromöbelstück war, das von Anfang an nach Cradle to Cradle-Prinzipien entwickelt wurde, zog das Unternehmen mit allen weiteren Büromöbeln wie dem Setu Chair oder dem Aeron Remastered nach. Mit dem Kauf wiederaufbereiteter Herman Miller-Bürostühle helfen Sie gleich zweifach: Einerseits sind die Stühle zu fast 100% recyclebar, andererseites muss die Umwelt nicht zusätzlich durch die Wiederaufwertung des Materials belastet werden.

Cradle to Cradle für Zuhause – Tipps zur eigenen Ökoeffektivität

Man muss kein Unternehmer sein oder Designer-Büromöbel kaufen, um Michael Braungart und William McDonough in ihrer Idee von einer abfallfreien Welt zu unterstützen. Wir haben einige Alternativen zusammen gefasst, mit denen Sie ihren biologischen Fußabdruck etwas verkleinern können. 

Second Hand ist vor allem bei den Millenials extrem beliebt. Nachhaltigkeit lässt sich aber auch durch Nachbarschaftshilfe, Tauschen oder Reparieren ganz einfach in das eigene Leben bringen.

Aus zweiter Hand: Second-Hand-Läden gehören bereits für viele zum ersten Anlaufpunkt für neue alte Möbel, Klamotten und Elektrogeräte. Stichworte: chabby chic, Retro und Vintage. Doch die Branche nennt sich nicht umsonst „An- und Verkauf“: Sie können noch gut erhaltene, aber nicht mehr gebrauchte Güter auch in vielen Gebrauchtwarenläden abgeben. Zunehmend betreiben auch Organisationen wie Diakonie, DRK oder Selbsthilfevereine gemeinnützige Gebrauchtwarenläden – so tun Sie erst Recht etwas Gutes!

Warum Geld ausgeben: Die kostengünstige Alternative zu beliebten und deshalb oftmals überteuerten Second-Hand-Shops sind Umsonstläden. Genauso nachhaltig sind auch Tauschbörsen, in denen man Gebrauchtgegenstände tauschen kann. Findet man keine Tauschbörsen oder Umsonstregale nicht in seiner Stadt, gibt es diverse Webseiten. Hier muss man sich allerdings oftmals anmelden, und Gebühren für den Tausch zahlen.

Aus alt mach neu: Auf Blogs, Pinterest und Instagram sind Upcycling-Ideen immer wieder ein Garant für Likes und das zurecht: Scheinbare Abfallprodukte werden in neuwertige Produkte umgewandelt, wobei es – im Gegenteil zum Downcycling – zu einer stofflichen Aufwertung kommt und durch die Wiederverwertung von bereits vorhandenem Material die Neuproduktion von Rohmaterialien reduziert wird. Einzigartig sind die selbst Regale, Lampen und Kleidungsstücke in jedem Fall!

Hilfst du mir, so helf‘ ich dir: Ein altbewährtes Prinzip sind offene Werkstätten, Selbsthilfewerkstätten bzw. Repair-Cafés, insbesondere, wenn es um Notebooks, Smartphones oder Fahrräder geht. Meist von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern betrieben, sind dies Orte des Ressourcenschutz, da nicht nur Einzelteile, sondern auch Werkzeuge zur Reparatur zur Verfügung stehen und nicht erst angeschafft werden müssen. 

Bitte geben Sie die Zahlenfolge in das nachfolgende Textfeld ein

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.

Passende Artikel
Aufbereitet
- Herman Miller Mirra 2
ab 859,00 € *